Europe, der Stimmungsgarant

Konzertkritik: Europe im Komplex 457
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Promobild / facebook.com/europetheband

Wie läutet man einen neuen Monat und eine neue Woche am besten ein? Natürlich mit einem guten Konzert. Die Wahl am Montag, 1. Oktober fiel auf die schwedische Kult-Hardrock-Band Europe – eine gute Entscheidung.

 

Europe ohne Joey Tempest sind gute Musiker. Das hat man auch am Konzert im Zürcher Komplex 457 letzten Montag gesehen. Aber man hat eben auch einmal mehr gesehen: Europe ist Joey Tempest. Der Frontmann ist auch nach über 30 Jahren noch die Rampensau schlechthin und versteht es, das ganze Publikum in seinen Bann zu ziehen. Auch strotzt der 55-jährige vor Charme – gerade bei Aktionen wie wenn er seinem Gitarristn John Norum ein Plektrum klaut um es spontan einem Mädchen im Publikum zu überreichen, welches sein Glück kaum fassen konnte.

 

Überhaupt hatte das Konzert etwas intimes, denn nur wenig Pubikum hatte sich im Komplex versammelt. Einerseits vielleicht, weil es nach dem 25. November 2017 bereits das zweite Schweizer Konzert der aktuellen Walk-the-Earth-Tour war. Anderersseits war es halt einfach auch Montag. Nichtsdestotrotz liess sich die schwedische Band davon nicht beirren und haute einen Knaller nach dem anderen raus, wobei auf einen schönen Mix aus altbekannten und neueren Stücken geachtet wurde. Mitgesungen wurde freilich am meisten bei den Hits vom erfolgreichsten Album «The Final Countdown» von 1986 – namentlich «Carrie», «Rock the Night» und «Cherokee» und «The Final Countdown» in der Zugabe. Mit solchen Hymnen brauchen Europe auch nicht mehr als sich selbst und ihre Instrumente. Bildschirme oder übertriebene Bühnendeko haben die Schweden nicht nötig, und trotzdem kommt keine einzige Sekunde Langeweile auf.

 

Auch der Stimmung des Publikums hat die halbleere Halle keinen Abbruch getan. Das hat sich auch schon etwas früher am Abend gezeigt. Denn auch die Supportband King King konnte die Zuschauer für sich gewinnen. Mit ihrem mitreissenden Blues Rock und grossem Charisma haben sie ordentlich eingeheizt und sackten für eine Vorband richtig viel Applaus ein. Die Herkunft von King King war dabei nicht zu übersehen: Stolz trug der Frontmann der schottischen Band seinen Kilt zur Schau.

 

Für jene Zuschauer, die sich an diesem Montag aufgemacht haben, um die Schweden und ihre schottischen Mitstreiter zu sehen und vor allem zu hören, hat sich der Abend auf jeden Fall gelohnt. Europe einmal in einem etwas kleineren Rahmen zu sehen, hat bestimmt etwas für sich, und das Wochenende konnte so direkt ein bisschen verlängert werden.

 

Trotz wenig Publikum haben Europe eine gewohnt grossartige Show abgeliefert. Ihre Tour-Support-Band King King scheint eine sichere Wahl gewesen zu sein, welche es versteht, das Publikum perfekt auf einen Rock-Abend der Superlative vorzubereiten.

Seraina Schöpfer / Mo, 08. Okt 2018